Index-Produkte vom Lebensversicherer – Interessante Alternative oder Mogelpackung?


Eine relativ neue Produktkategorie ist die sog. Indexgebundene Lebensversicherung. Dabei steigt das Vertragsvermögen, wenn der zugrunde liegende Index steigt. Meist sind dies Aktienindices wie DAX, EuroStoxx, S&P 500 oder aber vom jeweiligen Anbieter konstruierte Indices, die verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Renten, Immobilien und Gold mischen.

 

Der entscheidende Vorteil der Produktkategorie ist, dass das Vertragsvermögen auch bei negativer Indexentwicklung in einem Jahr nicht fallen kann. Die Nullrendite in so einem Jahr ist garantiert. Damit ist das Produkt also grundsätzlich gut geeignet für Kunden, die an der Börsenentwicklung teilhaben wollen, aber das Verlustrisiko beim Direktinvestment scheuen.

Wie funktionieren Index-Policen?

Mit allen eingezahlten Beiträgen erwirtschaftet der Versicherer über seine Kapitalanlage Gewinne. Aus diesen Gewinnen kauft der Versicherer bezogen auf die jeweiligen Indices Optionen, die eine vorab definierte Gewinnbeteiligung an der Indexentwicklung garantieren. Sollte jedoch der Index eine negative Entwicklung nehmen, werden die Optionen wertlos und der Versicherungskunde bekommt keine Gewinngutschrift, verliert aber auch kein Kapital.

 

Der größte Teil des gezahlten Kundenbeitrags geht in das Vertragsvermögen und wird vom Versicherer am Kapitalmarkt sicher angelegt, ein Teil wird als Vertragskosten vorab abgezogen. Trotzdem garantieren die Verträge bezogen auf den Vertragsablauf ein zu Vertragsbeginn vereinbartes Niveau der sog. Beitragsgarantie von 100% oder 90% oder einem niedrigeren Prozentsatz der über alle Jahre gezahlten Beitragssumme. Wenn es also während der Vertragslaufzeit überhaupt keine Wertgutschriften aus der Indexentwicklung geben sollte – beim vereinbarten Vertragsablauf wird mindestens der Garantiebetrag ausgezahlt.

 

Für eine 1 zu 1 Wertbeteiligung an der Indexentwicklung wären die Optionen zu teuer und nicht aus dem Produkt heraus zu finanzieren. Deswegen erfolgt in allen Indexversicherungen eine Begrenzung der Gewinnbeteiligung. Die gängigen Methoden zur Begrenzung der Wertbeteiligung an der Indexentwicklung sind

  1. die Festlegung eines Beteiligungssatzes oder
  2. die CAP-Methode

Und warum wird eine Beitragsgarantie unter 100% angeboten und vereinbart? Je niedriger die Beitragsgarantie, um so werthaltigere Optionen kann der Versicherer kaufen und dann liegen die Cap's oder Beteiligungssätze im Interesse des Kunden höher.

Die CAP-Methode

Bei der CAP-Methode wird in jedem Monat eines Versicherungsjahres die Wertentwicklung des Index gemessen und aufaddiert. Negative Monatswerte gehen vollständig in die Summe ein, während positive auf Höhe des CAP gekappt werden. Überrenditen werden also abgeschnitten.

 

Nachfolgende Grafik stellt für ein Versicherungsjahr vom 01.03.2020 bis zum 28.02.2021 die Wirkung des CAP in Höhe von 2,8% anhand des EURO STOXX 50 dar.

Wertentwicklung einer Index-Police mit CAP

Im März und im Oktober 2020 gab es deutliche Kursrückgänge, die durch die sieben positiven, jedoch jeweils auf 2,8% gekappten Monate nicht ausgeglichen werden konnten. Die addierten Werte liegen hoch im negativen Bereich (-11,3867%). Der Kunde bekommt in diesem Versicherungsjahr damit keine Wertgutschrift auf das Vertragskapital (0,0000%).

 

Index-Versicherungen mit Beteiligungsquote

Im dargestellten 12-Monatzeitraum hat der EURO STOXX 50 eine positive Entwicklung von 9,2% plus gemacht.

Hätte der Kunde der Kunde eine Indexversicherung mit Beteiligungssatz gehabt, hätte er also eine Gutschrift bekommen - bei 50% Partizipation wäre das eine Rendite von 4,6% gewesen.

 

Vorteil 'sichere Verzinsung'?

Bei fast allen Lebensversicherern besteht die Möglichkeit, dass der Kunde sich jährlich zwischen der Indexbeteiligung oder einer sicheren Verzinsung aus den Kapitalanlage des Anbieters entscheidet. Wenn ein oder mehrere Jahre keine Wertsteigerung aus der Indexbeteiligung erzielt wurde, ist das natürlich eine Hintertür um Frustationen des Kunden zu vermeiden. Aber vielleict schneiden die Indexpolicen gerade in dem Jahr überdurchschnittlich ab, wenn auf die sichere Verzinsung gewechselt wurde.

Aus unserer Sicht macht es grundsätzlich wenig Sinn, bei einer guten Indexpolice in die sicherer Verzinsung zu wechseln. Untersuchungen zeigen, dass Kunden bereits über mittlere Laufzeit bei konstanter Investition eine höhere Wertentwicklung erzielen als mit der sicheren Verzinsung.

 

Welche Anbieter und Indices gibt es?

  • Ausschließlich CAP-Indexversicherungen im Angebot haben Allianz (EURO STOXX 50, S&P 500), Barmenia, LV1871 (EURO STOXX 50) und Nürnberger (DAX).
  • Axa / DÄV (eigener Index) und die SV Versicherung (EURO STOXX 50 und zwei eigene Indices) bieten beide Modelle an.
  • Ausschließlich Index-Versicherung mit Beteiligungsquote bieten Ergo, Gothaer, HDI, R+V, Stuttgarter, Württembergische - alle mit eigenen Indices) sowie neue leben (DAX und eigener Index) und Volkswohl Bund (EURO STOXX 50, DAX).

Der Trend geht eindeutig zu Index-Produkten mit Beteiligungsquoten.

 

Weiterhin lässt sich feststellen, dass die meisten Versicherer zunehmend eigene Multi-Asset-Indices konstruieren.

Das ist einerseits positiv, da die Abhängigkeit von einem einzelnen Anlageinstrument vermieden wird (z.B. der 30 DAX-Werte oder der 50 EURO STOXX-Werte). Anderseits geht damit aber auch die Transparenz verloren, mit der jeder Kunde monatlich selbst anhand der Börsenkurse seine eigene Wertentwicklung nachverfolgen kann.

Unser Fazit zu Index-Lebensversicherungen

Index-Lebensversicherungen sind eine interessante Alternative zur Altersvorsorge für diejenigen, die von der Entwicklung der Kapitalmärkte direkt profitieren wollen, ohne einem direkten Verlustrisiko ausgesetzt zu sein.

 

Wichtig ist jedoch - eigentlich wie immer - die konkrete Auswahl von Anbieter und Produkt:

 

1. Die Wahl des Beteiligungsmodells CAP oder Quote

  • In relativ konstant steigenden Börsenjahren hängt die Vorteilhaftigkeit von CAP versus Beteiligungsquote von den konkreten Werten des CAP bzw. der Quote ab.
  • In sehr schwankenden Kapitalmärkten sind Indexversicherungen mit CAP aufgrund ihrer Konstruktion unserer Meinung nach grundsätzlich nachteilig für den Kunden. Und diese Börsensituationen sind in den letzten Jahren vorherrschend.

2. Die Wahl des zugrunde liegenden Index

  • Wir präferieren eher breiter ausgerichtete Indices. Der DAX ist nur auf den deutschen Aktienmarkt und auf wenige große Werte ausgerichtet. Der S&P 500 enthält zwar viele Unternehmen, ist aber auf die USA begrenzt und bringt aufgrund des US-Dollars auch noch ein Währungsrisiko in den Vertrag. Bei Anbietern mit mehreren Indices kann hier eine Verteilung des Kapitals auf mehrere Indices helfen
  • Anbieter-eigene Multi-Asset-Indices bewirken den größten Risikoausgleich zwischen den Investment-Instrumenten, sind aber für den Anleger weniger transparent. Wie Transparenz trotzdem gelingen kann, zeigt die Stuttgarter Versicherung auf ihrer Website zur Entwicklung des M-A-X Multi-Asset-Index.

3. Die Wahl des richtigen Anbieters

  • Ein Blick auf die allgemeine Kosteneffizenzienz des Lebensversicherers hilft schon mal, die teuren Anbieter im Eingang auszusortieren.
  • Die Höhe des CAP bzw. der Beteiligungsquote sind über die Vertragslaufzeit nicht festgeschrieben. Beide Werte ergeben sich aus der Ertragskraft des jeweiligen Anbieters - profitablere Anbieter können sich teurere Optionen leisten und bieten eine höhere Beteiligung an der Index-Entwicklung.

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